Gehofft und doch verloren – vom Helfen und Wegschauen

Ich hab lange überlegt ob ich über das schreiben soll. Passt es zu diesem Blog? Da es mich aber sehr bewegt und zum nachdenken gebracht hat MUSS ich einfach schreiben. Die Frage die in meinem Kopf kreist: Was soll man tun, wenn man ein Kind bzw. einen Jugendlichen kennt, der droht vom so genannten “rechten Weg” abzukommen? Was macht man als Mutter, wenn die alleinerziehende Nachbarin und Freundin so krank ist und sich nicht mehr um ihr Kind kümmern kann, das sich selbst überlassen langsam den altbekannten sozialen Strukturen entgleitet? Und was ist, wenn diese Nachbarin stirbt und dieses Kind zum kaum bekannten Vater soll?

Hilft da ein offenes Ohr? Eine helfende Hand? Ein Platz zum Schlafen? Unterstützung und vielleicht der Gang zum Amt?

Die vierzehnjährige Diana haut schließlich bei ihrem Vater ab. Die älteren Geschister, beide in Ausbildung, haben keinen Kontakt zu ihr. Mittlerweile lebt Diana auf der Straße. Das letzte was ich von ihr höre ist, dass sie Dorgen nimmt. Durch das Drücken hätte sie fast einen Arm verloren. Was sie sonst so erlebt und durchmacht – man will es sich nicht ausmalen, kennt so ein Leben nur aus Filmen. Wendy aus Breaking Bad zum Beispiel.

Ist es zu spät für das offene Ohr? Die helfende Hand? Den Platz zum Schlafen? Unterstützung und Hilfe beim Entzug? Aber Diana ist jetzt schon achtzehn, kann ihr Leben selbst bestimmen.

Gestern waren meine Eltern da und brachten sie mit – die Todesanzeige. Bunt mit Regenbogen und doch so traurig. “Gehofft und doch verloren, aber du wirst immer in unseren Herzen sein.” Diana wurde nur 28. Das Nachbarsmädchen, die Schwester meiner Sandkastenfreundin. Und ich frage mich, ob damals Hilfe angekommen wäre. Mache mir Vorwürfe, dass ich diese “nervende kleine Person”, die früher öfter an unserem Hoftor klingelte, so oft weggeschickt habe. Damals, zu sehr mit mir selbst, meiner blöden Ausbildung und der zigsten Liebeskriese beschäftig. Was würde ich heute tun? Als Mutter und als die Person, die ich jetzt bin?

Ein offenes Ohr, eine helfende Hand oder einen Platz zum Schlafen anbieten? Etwas Unterstützung, um alles zu regeln?

Ich frage mich, was mit Diana in den letzten Jahren passiert ist. Und wer sind diese beiden Menschen, die diese Todesanzeige aufgaben? Immerhin gab es Menschen, denen sie wichtig war. Und meine Hoffnung – vielleicht war am Ende doch alles gut?

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0 Kommentare

  1. Traurig,ich hab mal Ähnliches erlebt war allerdings erst 8 oder 9.Nie sollte man wegschauen,mag es noch so viel einfacher sein.

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