Bloggen: Weitermachen oder sein lassen?

Dass es nicht nur positives Feedback auf meine Bloggerei geben wird, war mir bewusst. Früher oder später wird es sicherlich das ein oder andere negative Kommentar geben. Ja vielleicht sogar ein Shit-Strom, weil meine Meinung und meine Art anderen nicht passt. Von fremden Menschen, deren Kritik mir quasi Wurscht sein kann, versteht sich. Ich war darauf vorbereitet. Dass sich nun kurz nacheinander mehrere Personen aus meinem Umfeld auf den Schlips getreten fühlen, kam dann doch überraschend. Mein Blog hatte ich nicht an die große Glocke gehängt. Nur ganz wenige Freunde waren eingeweiht. Doch scheinbar haben facebook und die gute alte Mundpropaganda dafür gesorgt, dass nun auch der letzte Mensch aus meinem näheren Umfeld mein Blog kennt. Und sich unter anderem in meinen Texten wiedergefunden hat.

Ich habe immer versucht, dass die Personen aus meinem Umfeld so beschrieben werden, dass sie von Dritten nicht per se erkennbar sind. Scheinbar hat das dann in einem so kleinen Ort nicht funktioniert. Und so sorgte ich wohl für Dorftratsch. Und es gibt nicht Unangenehmeres als Bestandteil, ja sogar Auslöser für Dorftratsch zu sein. Die ganze Situation ließ mich darüber grübeln: Was darf ich eigentlich erzählen? Wer ließt vielleicht mit? Eben nicht nur die Mutter aus der Großstadt oder der Vater aus Hintertupfingen. Nein, auch Leute, die hier im Ort leben, die ich aber kaum kenne. Möchte ich, dass auch diese Leute Einblicke in mein Leben bekommen und darüber reden? Eigentlich nicht – aber eigentlich ist es mir auch egal, was diese Personengruppe über mich denkt. Grüßen mich eben dann drei Leute weniger im Ort. Dennoch möchte ich nicht die sein, bei der man aufpassen muss, was man sagt oder tut, weil sie es ja verbloggen könnte. Sozusagen ein Spion auf dem Spielplatz, der an anderen kein gutes Haar lässt. Nein, das möchte ich wirklich nicht sein.

Diese Gedanken hatte ich letzen Dienstag. Und genau eine Woche später – taaadaaa – hat sich wieder jemand erkannt und beschwert. Dienstag = Bad Karma Day. Diesmal kam die Kritik aus dem engeren Umfeld. Wieder habe ich jemanden verärgert, auch wenn ich in dem Punkt zu meiner Meinung stehe. Trotzdem mache ich mir wieder Gedanken: Sollte ich es sein lassen, über andere zu schreiben? Auch wenn ich sie nur am Rande und unerkannt für andere erwähne? Auch wenn eine beschriebene Situation mit mir und meinen Gefühlen zusammenhängt? Wenn ich das weg lassen, über was schreibe ich dann noch? Sollte ich vermehrt eher allgemeine Themen ansprechen? Oder nur noch über positive Dinge berichten? Wozu das ganze noch: sollte ich vielleicht sogar ganz aufhören?

Ich bin dabei total dankbar über den Text von Herzmutter auf Brigitte Online, weil sie genau wie ich an diesem Punkt stand. Und ähnliche Überlegungen hat. Ja sie führt sie sogar noch weiter. Was denken die Kinder später über das Geschriebene? Werden die sich schämen oder stolz sein?

Wie machen das also andere Blogger, die sogar noch viel bekannter sind als mein kleines Blog? Stand die Crem de la Creme der Blogosphäre auch Mal an diesem einen Punkt – Mach ich weiter oder lass ich´s sein? Über was schreibe ich? Ein persönlicher Blog lebt von persönlichen Erfahrungen und Momenten. Es geht darum, anderen zu zeigen: bei mir läuft auch nicht alles rund. Und darum, wie man mit einigen Situationen umgegangen ist. Es geht darum, sich vielleicht sogar darüber auszutauschen. In den letzten drei Monaten habe ich so viele liebe Kommentare bekommen, mit Zuspruch, Lob und neuen Impulsen. Kommentare, die mich und meine Meinung bestätigt oder mich zum Nachdenken gebracht haben. Ich habe viele nette Menschen (über twitter) und viele tolle Blogger kennen gelernt. Und viele Blogbeiträge gelesen, die mich positiv beeinflußt haben.

Ich stehe ganz am Anfang mit meinem Blog. Und habe ein paar Fehler gemacht. Erfahrungen gesammelt. Mach ich´s wie der Phoenix aus der Asche – aufstehen, Staub abklopfen und weitermachen? Fakt ist: Ich werde ganz bestimmt nicht mehr über Personen aus meinem Umfeld schreiben. Jedenfalls nicht erkennbar.

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0 Kommentare

  1. oh ich weiss, was du meinst. Das ist echt nicht so einfach! Ich bin da auch immer wieder am Hadern. Aber gleichzeitig gibt mir das Bloggen so viel, dass ich darauf nicht mehr verzichten mag

  2. Weiss nicht, ob Dir das hilft. hab grad vorhin dazu gebloggt:
    http://www.mama-on-the-rocks.blogspot.ch/2014/11/uber-den-umgang-mit-negativen.html
    Es geht aber um Online-Kommentare, nicht um das Real life…
    Schdrückdich!

  3. Natürlich machen wir uns alle Gedanken dazu: was denken die anderen? Kann ich das wirklich so öffentlich schreiben. Ich glaube: Gerede gibt es immer. Blog hin oder her. Und dann findet es meist hinter dem Rücken statt. Natürlich ist es nicht schön, wenn sich jemand aus dem Umfeld auf den Schlips getreten fühlt. Aber das kommt vor. Auch im realen Leben. Solange Du niemanden öffentlich mit Namen benennst oder anprangerst, finde ich es ok, seine Gedanken aufzuschreiben. Auch öffentlich. Schließlich leben wir Gott sei Dank in einer Welt, in der wir unsere Meinung frei äußern können. Und wenn Du sie nicht aufschreiben würdest, würdest Du sie vielleicht bekannten Menschen in Deinem Umfeld erzählen. Das Ergebnis ist das Selbe, oder? Auch da könnte sich der „Erkannte“ auf den Schlips getreten fühlen – sogar noch viel mehr, weil es ja bekannte Leute sind, die es erfahren. Nur er erfährt in dem Fall nicht, dass Du darüber gesprochen hast, weil es nicht hier auf dem Blog passiert. Die Leute die den „Erkannten“ nicht kennen, schert es ja nicht weiter.

    Niemand wird gern kritisiert. Schon gar nicht öffentlich. Als Blogger sollte man kritisch mit sich selbst und seinem Tun umgehen, auch kritische Stimmen von außen anhören und sich vor Veröffentlichung immer fragen: gehört das hierher oder nicht. Verletzte ich jemanden damit? Aber nur, weil jemand anderem meine Meinung nicht passt aufhören? Nein, wo kämen wir denn da hin?

    In diesem Sinne: ich wünsche Dir, dass Du für Dich den richtigen Weg findest! Liebe Grüße, Anna

  4. Bitte weitermachen ☺! Ich lese noch nicht lange hier mit, aber ich finde dein Blog sehr unterhaltsam, lustig, anregend – und ehrlich! Ich wohne auch in einem kleinen Ort und so schön das für die Kinder auch ist – es wird IMMER getratscht und gezickt. Furchtbar, aber nicht zu ändern. Laß dich dadurch nicht entmutigen oder einschränken.

  5. Ich verstehe deine Gedanken und wüsste selbst nicht genau, wie oder ob ich weiter machen würde.
    Ich lese ja auch noch nicht lange hier, finde aber Deine art zu schreiben wundervoll. Herzlich und ehrlich.
    Und da ist wohl auch schon das Problem, ehrlich ist eben nicht gern gewünscht.
    Oder auch „Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd“

    Wenn du Dich fürs weitermachen entscheidest freue ich mich sehr. Solltest du dich dagegen entscheiden verstehe ich dies aber auch.
    Wer will schon Bloggen, und dabei ständig aufpassen andren nicht auf den Schlips zu treten? Wäre es dann noch das selbe?

    Ich hoffe du findest eine Lösung mit der Du happy bist 🙂

  6. Also ich habe dich gerade zu meinem Blogroll hinzugefügt, da kannst du jetzt nichgt in den Sack hauen;) Die Komentare sind mir egal, aber ich mache mir auch so meine Gedanken, was meine Tochter einmal über meine Texte denken könnte. Immerhin habe ich sehr ehrlich geschrieben, wie die erste harte Zeit mir ihr als Schreibaby war. Aber ich denke, ich habe in jedem Text, in dem ich mich auch mal kräftig über Muttidasein beschwert habe, auch deutlich gemacht, wie sehr ich mein Kind liebe. Wenn sie DAS überliest – dann wohl, weil sie gerade eh in der Pubertät steckt und mir eh alles übel nimmt;)) Ich bin schon eher vorsichtig mit dem, was ich schreibe, habe immer im Hinterkopf, dass Verwandte und Kollegen mitlesen könnten – und es eben auch tun. Aber da ich ja beruflich Redakteurin bin, bin ich da vielleicht ohnehin etwas vorsichtiger oder geschulter. Ich bin mir aber auch absolut nicht sicher, ob ich noch über mein Kind bloggen werde, wenn es „mündig“ ist. Dann geht es schließlich nicht mehr um schlaflose Nächte oder den üblichen Babywahnsinn, sondern um konkrete Konflikte, um Liebeskummer oder schlechte Schulnoten. Und das hat nichts im Internet zu suchen, denke ich. Aber mal sehen, was ich in ein paar Jahren denke:)

  7. Bei mir war es ziemlich genau so wie bei Dir. Nur, dass ich nicht von Bekannten, etc kritisiert wurde, sondern von der Kita- die ich nie namentlich erwähnt habe, sondern nur als „Kita“ (und bei uns gibt’s mehrere Kitas). Und der Kita hat halt nicht gepasst, was ich gebloggt habe und dann bin ich zum Elterngespräch gebeten worden. Da haben sie mir dann eröffnet, dass sie mein kleines Blog rechtlich haben prüfen lassen (dass aber alles ok war). Himmel, was hab ich mich aufgeregt. Aber, ich muss zugeben, dass ich seitdem nicht mehr über die Kita gebloggt habe. Weil ich immer noch nicht weiß, wie ich damit umgehen soll. Saudoof!
    Aber mach auf jeden Fall weiter, ja? Habe Dich doch gerade erst in meiner Nähe gefunden… LG Julia alias Mama Schulze

    • Uii, mit der Kita verscherzt man es sich ja nur ungern. Auch ne blöde Situation. Denke schon, dass ich weitermache. Nur noch wie? Muss noch überlegen. Aber das mit dem Mini-Bloggertreffen müssen wir auf alle Fälle angehen 😊

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