Putzen bis die Zahnfee kommt

Evolution  Fingerling (Dentistar), Noppenfingerling (Rossmann), Pflegetrio (Rossmann), elektrische Kinderzahnbürste (OralB)
Evolution
Fingerling (Dentistar), Noppenfingerling (Rossmann), Pflegetrio (Rossmann), elektrische Kinderzahnbürste (OralB)

Anfang der Woche bekam ich eine Erinnerung von meinem Zahnarzt: die jährliche Kontrolle ist fällig. Und da ich sowieso einen Tag später in der Nähe der Praxis war, machte ich gleich einen Termin aus. Für mich UND HerrnSjardinski. Einen Termin, dem ich mit gemischten Gefühlen entgegen sehe. Hoffentlich warten diesmal keine bösen Überraschungen! Oh je. Denn letztes Mal hieß es Kariesalarm beim feinen Herrn.

Gesunde Zähne sind mir schon immer sehr wichtig. Nicht nur bei mir, auch bei meinen Kindern. Und so griff ich lehrbuchmäßig zum Fingerling, als das erste Zähnchen bei HerrnSjardinski hervorblitze. Da war er gerade vier Monate alt. Jeden Abend putze ich die weißen Stummelchen. Erst mit besagtem Fingerling, ein paar Wochen später mit einer Noppenfingerbürste und später dann mit anderen Übungsbürsten. Bis ich schließlich zu einer kleinen Zahnbürste wechselte, auf die ein Klecks flourfrei Kinderzahnpasta kam. Mit sechs Monaten hatte HerrSjardinski seinen ersten unspektakulären Zahnarztbesuch.

Irgendwann hatten wir dann eine Phase, da wurde sich mit aller Körperkraft gegen das Putzen gewehrt. Bis HerrSjardinski seinen Mund aufmachte, bedurfte es zahlreicher Überredungskünste und manchmal auch Drohungen („Dann gibt´s eben auch keine Geschichte“). Mein Mann verstand den ganzen Aufriss nicht. „Lass ihn doch, meine Eltern haben MIR auch nie die Milchzähne geputz.“ Ja, tolles Argument. Genauso hat man sich früher auch nicht angeschnallt, vor den Kindern geraucht und gegen Verstrahlung Orangen gegessen. Es gab nur wenige Außnahmen: zu müde oder krank. Ansonsten bestand ich auf´s Putzen! Und so besorgte ich eine elektrische Kinderzahnbürste. Wenn ich nur kurz in den Mund kann, dann schafft DIE wenigstens ihre 100 Putzbewegungen pro Sekunde. Und es klappte.

Mit 2,5 Jahren waren alle Zähnchen da und wir hatten wieder einen der regelmäßigen Zahnarztbesuche. Ich weiß noch genau wie der Zahnarzt „Da ist ja Karies!“ rief und ich dachte, der will mich veräppeln. Auch noch am letzten Backenzahn, den es erst seit knapp vier Monate gab. Aber da war wirklich Karies – ein hässlicher brauner Fleck. Ich machte mir Vorwürfe – doch nicht alles „richtig“ gemacht? War es die verdünnte Schorle, die er immer NACH dem Putzen aus der Nuckelflasche trank. Oh wie nachlässig von mir! Oder hätten wir öfter und gründlicher putzen müssen? Waren es zu viele Ausnahmen gewesen? Irgendwas hatten wir – nein ICH – falsch gemacht. Wir hatten nicht genug getan!

Um Schlimmeres zu verhindern, gab es fortan abends nur noch Wasser (unter sehr großem Protest). Auch die Nuckelflasche wurde abgeschafft. Aber das half ja nicht dem kaputten Zahn. Der musste ja noch repariert werden. Wir wurden in eine Kinderzahnklinik geschickt. Mit Mini-Behandlungsstühlen und Bildschirmen an der Decke. Die Zahnärztin ging sehr behutsam vor. Allein zwei Termine brauchten wir, um den feinen Herrn an die Geräte zu gewöhnen. Er bekam sogar eine kleine Zahnreinigung. Am dritten Termin wurde dann gebohrt. Ohne Betäubung – die Spritze ist wohl für so kleine Kinder schlimmer als das Bohrgefühl (WTF)!. Dabei sang die Ärztin mit der Zahnarzthelferin das Bob der Baumeister Lied im Duett. Aber Dreijährige können nicht lange stillsitzen – erst Recht nicht mit offenem Mund, wenn es ziept und weh tut. Nach 10 Minuten war Schluss, der Mund blieb zu. Auch am nächsten Termin. Wir brauchten also einen OP-Termin mit Narkose.

Einen Termin hatten wir noch mit der Anästhesistin, dann war der große Tag da. Endlich sollte das Zahndrama ein Ende haben.  Zur Verstärkung war meine Schwiegermutter mitgekommen. HerrSjardinski bekam ein paar „Scheißegal-Tropfen“ (hätte ich auch gern gehabt) und ich durfte kurz mit im OP bleiben. Das Loch war wohl sehr tief – bis zum Nerv. Die Ärztin meinte, der Zahnschmelz wäre von Anfang an kaputt gewesen. Alle anderen Zähne waren ohne Beläge. Das konnte keine Schorle oder falsches Putzen gewesen sein! Ich war ein bisschen erleichtert. Aber das Schlimmste lag noch vor uns: die Aufwachphase. Zu dritt versuchten wir, das um sich schlagende und schreiende Kind anzuziehen und ins Auto zu bugsieren. Es war wie bei der Exorzist – nur ohne Schimpfwörter. Der feine Herr schrie die ganze Fahrt über und war erst Stunden später wieder er selbst.

Niemals niemals nicht will ich das nochmal durchmachen. Weder bei HerrnSjardinski noch bei MisterWin, der ja auch bald seine ersten Zänchen bekommen wird. Doch manchmal, ja manchmal kann auch der beste Putzplan und lehrbuchmäßige Zahnpflege ein Loch nicht verhindern. Auch wenn man alles „richtig“ macht. Wir werden die Zahnpflege diesmal etwa gelassener angehen.

Ähnliche Beiträge

0 Kommentare

  1. Oha, da erinnerst du mich an etwas… Ich muss auch dringend mal wieder mit dem kleinen Kaaskop zur Kontrolle. Er ist nämlich erst einmal beim Zahnarzt gewesen, als alle Milchzähne da waren, und da hat er die nette Zahnärztin nicht in den Mund gucken lassen wollen. Dabei hatte er vorher bei mir zugucken dürfen. Die Zahnärztin meinte zwar, die Zähne sähen gut aus und wir sollten nächstes Jahr wiederkommen, aber ich will eigentlich schon, dass sie mal richtig gucken kann.
    Bei uns war das Zähneputzen bestimmt ein Jahr lang Drama, jeden (!) Abend kam es zu Mutter-Kind-Wrestling. Aber da war ich streng: es wird geputzt. Ausnahmen auch nur ganz selten und nur noch Wasser nach dem Putzen. Die gruseligen Zähne vom Opa stehen mir schließlich noch vor Augen (der bekam von seiner eigenen Oma immer ein Betthupferl)!
    Seit ein paar Wochen geht es besser: wenn ich sage, dass sonst die Zahnteufelchen kommen und seine Zähne kaputt machen und er dann nichts leckeres mehr essen kann, sperrt der kleine Kaaskop brav den Mund auf für die Bürste. 🙂

  2. […] Blog „Mutter & Söhnchen“ lesen Sie, welche Konsequenzen Marsha aus diesem kleinen Kariesdesaster gezogen […]

  3. […] einiger Zeit habe ich ja bereits mein Zahnputzkonzept von HerrnSjardinski vorgestellt: Wie wir putzten und putzten und dann doch Karies am letzten Backenzahn behandelt werden musste. Und […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.