Freunde kommen – Freunde gehen

Es schein ein seltsames Phänomen zu sein, dass sich nach der Geburt eines Kindes auch die Struktur des Freundeskreises ändert. Frisch gebackene Eltern neigen eben zum so genannten Cooconing – sie ziehen sich zurück und genießen ihre kleine Familie. Freiwillig oder unfreiwillig. Manchmal kann ja vom “genießen” nach dem Motto Ich-bin-kein-Star-aber-holt-mich hier-raus nicht gerade die Rede sein. Denn mit so einem kleinen Baby, das eben seine Bedürfnisse hat, wird jede abendliche Verabredung zur planerischen Herausforderung.

Freunde

Freundschaften müssen aber gepflegt werden. Nicht einfach, wenn dann auch noch die Interessen auseinander driften. Jobgeschichten vs. Babykacke – das ist für beide Seiten nicht so prickelnd. Aber keine Sorge. Es kommen auch neue Freunde dazu. Eltern, die man im Geburtsvorbereitungskurs, auf dem Spielplatz oder später durch den Kindergarten kennen gelernt hat. Die auf dem gleichen Interessenslevel liegen. Das ist das Leben. Freunde kommen und gehen. Nur die wahren bleiben. Vielleicht.

Die kinderlosen Freunde
Auf einmal ist man Eltern. Aber nicht alle Freunde wollen von nun an immer über Krabbelfortschritt, Breivorlieben oder Konsistenz des Windelinhalts informiert werden. Heb dir das für den Babykurs oder befreundete Eltern auf. Immer dran denken – du redest mit kinderlosen Erwachsenen! Eine andere Spezies sozusagen. Erwachsene, die mit beiden Beinen im Job stehen. Singles, die Nächte durchtanzen und Abenteuer erleben. Oder frisch verliebte Pärchen, die lange ausschlafen, reisen und sich sinnlos betrinken können. Diese Träumer, die alles ANDERS machen wollen mit ihren potentiellen Zukunfts-Kindern (kicher). Also bloß nicht neidisch werden! Haltung bewahren. Nicht ärgern, wenn sie den Geburtstag deines Sonnenscheins vergessen. Dann bewahrst du dir diese Freundschaft. Und vielleicht hast du einen Babysitter gewonnen. Katsching!

Freunde sind die Familie, die man sich selbst aussuchen kann.

Upgrade der Bekannten
Du lebst schon Jahre in deinem Örtchen, kennst aber kaum jemanden? Das wird sich mit dem Accessoire “Baby” nun schnellstens ändern. Schlurfst du erstmal müde mit dem Kinderwagen vor dir durch die Straßen, lernst du bald den mildlächelnden solidarischen Gruß deiner Leidensgenossen zu schätzen. Und aus früheren Nachbarn können wahre Freunde werden. Hatte man früher mit Eltern aus dem weiteren Freundeskreis kaum Gesprächsstoff, wird auf einmal ein geheimer Vorrat an Gemeinsamkeiten entdeckt. Diese “Alt-Eltern” haben einen wahren Schatz an Erfahrungen und üben sich in Gelassenheit. Wenn sie nicht sowieso schon ständig mit “klugen” Ratschlägen nerven – unbedingt bei Problemen fragen. Du kannst davon profitieren!

Echte Freunde sind die, mit denen man nicht nur lachen, sondern auch weinen kann.

Die Gleichgesinnten
Schau dich nur um! Das witzige Pärchen aus dem Geburtsvorbereitungskurs könnte vielleicht das nächste Kaffee- oder Grilldate sein. Mit Baby versteht sich. Das beudeutet Freundschaft für die ganze Familie. Aber nur, wenn sich alle verstehen. Man muss auf einem Level sein, besonders beim Humor. Wenn dann noch die Kinder miteinander klar kommen – Bingo. Vielleicht wird dann aus einer netten Spielplatzbekanntschaft eine dicke Freundschaft, mit der man zusammen als Familie in den Urlaub fahren kann. Menschen, die man so nie kennen gelernt hätte, werden so vielleicht sogar der Pate von Kind 2? Danke, Kind 1, für die vielen lieben Menschen, die wir durch dich zu unseren Freunden zählen können.

Man kommt in einer Freundschaft nicht weit, wenn man nicht bereit ist, kleine Fehler zu verzeihen.

Freundschaft und Entfernung
Eigentlich könnte alles so schön sein. Wenn da nicht die Entfernung zu den alten Freunden wäre, meist durch Umzug hervorgerufen. Vielleicht sieht man sich nur einmal im Jahr, aber dann ist alles so wie früher. Das sind Freundschaften für die Ewigkeit. Doch manchmal ist es nicht nur die Entfernung, die einen trennt. Manchmal sind es auch Einstellungen, die sich im Laufe des “Erwachsen- und Elternwerdens” ändern und auseinander bewegen. Egal ob zur Erziehung der Kinder oder zur Freundschaft an sich. Schwer ist es, wenn den alten Freunde die neuen aus manchen Gründen nicht passen. Oder wenn ein Part immer Kritik austeilt, aber nie welche einstecken kann. So dass man sich nicht mehr traut, seine Meinung ausszusprechen, weil man keine Diskussion möchte. Und am Ende nicht mehr “man selbst sein kann”, weil jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird. Ist das so? Dann hat sich eine Freundschaft auseinandergelebt. Vielleicht wäre das auch ohne die Kinder passiert. Vielleicht. Aber manchmal ist es dann besser, einen ehrlichen Schlussstrich zu ziehen, bevor man plötzlich auf Facebook “entfreundet” wird.

Wirklich beste Freunde
Wenn du einen hast, wird er das auch immer sein. Beste Freunde für´s Leben überstehen alles. Auch Kinder! Manchmal sind “beste Freunde” aber auch einfach aus der Lebenssituation entstanden. Wer vor 10 Jahren dein bester Freund war, muss das heute nicht mehr sein. Aus vielerlei Gründen. Gemeinsamkeiten schweißen ja bekanntlich zusammen – aber wie wir wissen, ändern sich Hobbies und Interessen. So wird aus einem besten Freund vielleicht irgendwann nur ein Freund oder Bekannter. Manchmal ist aber auch der (Ehe)Partner der beste Freund. Weil er einen nicht nur am besten kennt, sondern auch Höhen und Tiefen miterlebt hat und man sich vertrauen kann. So ist das bei mir jedenfalls. Mein Mann ist mein bester Freund. Schon seitdem wir uns kennen. Und ich hoffe er wird das auch immer sein.

Wie ist das bei euch – habt ihr Freunde durch die Kinder verloren? Oder neue dazugewonnen?

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0 Kommentare

  1. Danke für diesen Text! Ich habe noch alle meine Freunde, auch die kinderlosen;) Merke aber, dass meine alten guten Freunde jetzt, da wir alle auf einmal Kinder gekriegt haben, wieder näher zusammengerückt sind. Wir telefonieren auf einmal viel häufiger als in der kinderlosen Zeit, als halt jeder sein Pärchenleben und seinen Job hatte. Aber ja, meine Freunde, die weit weg wohnen, fehlen mir wahnsinnig. Es wäre so toll, wenn unsere Kinder gemeinsam groß werden könnten. Und das Besuchen ist plötzlich sooo kompliziert geworden.. zumal mein Mann und ich oft am Wochenende arbeiten.

  2. Das ist wirklich ein wichtiges Thema 🙂 Ich habe bisher zum Glück keinen meiner alten Freunde verloren! Aber es ist wirklich so, dass man als frischgebackene Mutter seine Freundschaften viel aktiver und bewusster pflegen muss als vorher 🙂 Aber wenn man sich Mühe gibt, dann klappt es auch 🙂

  3. Toller, toller Text. Hab ganz oft gedacht: “Jaaa, so ist das bei mir/uns auch.” 👍

  4. Beides! Ich habe leider manche Freunde verloren, aber eben auch neue Freundschaften geschlossen, für die ich wirklich dankbar bin!

  5. Hallo! Das ist ein toller Artikel. Ich bin aktuell noch schwanger und frage mich auch schon, wie das mit den Freundschaften in Zukunft so laufen wird.. noch habe ich natürlich die Hoffnung, dass alle erhalten bleiben 😉 Und neue dazu kommen werden.
    Weil mir dein Blog gefällt und ich gerne mitlese, habe ich dich für den “Liebster Award” nominiert. Du findest ihn auf meinem Blog und ich freue mich, wenn du mitmachst!
    http://mamileben.net/2015/02/09/liebster-award-mal-drei/
    Fühl dich lieb gegrüßt! Anni 🙂

    • Hallo Anni,

      das freut mich, dass dir mein Blog und der Text gefällt. Drücke die Daumen, dass dir alle erhalten bleiben 😉

      Danke auch für die Nominierung. Allerdings hab ich da schon mitgemacht und das ist noch gar nicht so lange her. Also bitte nicht böse sein, wenn ich diesmal nicht mitmache.

  6. […] schrieb schon vor ein paar Tagen über Freundschaften (sehr lesenswert). Über die Veränderungen bestehender Freundschaften und das Kennenlernen neuer […]

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