Baumeister mit bunten Nägeln – UNTypisch mit ÖkoHippieRabenmütter

Auf ihrem Blog ÖkoHippieRabenmütter schreibt Jungsmama Kathrin Kurzgeschichten aus dem bindungsorientierten Alltag mit #ZweiunterZwei (also Kinder im Altersabstand unter 2 Jahren). Sie spricht über Hochsensibilität, veganen nachhaltigen Lebensstil und den Verzicht auf Erziehung.

Kathrin ältester Sohn Bubba Ray wird bald 3 Jahre alt, spielt gerne Fußball fährt für sein Leben gerne Laufrad. Wie so ein richtiger kleiner Junge eben. Nur steht er dabei total auf bunt lackierte Nägel. Und wenn es auf dem Spielplatz Streit gibt, kann das der empathische kleine Kerl so gar nicht leiden….

Blau und rosa. Bagger und Ponyhof. Rabauke und Zicke. Immer wieder liest man von Klischees, wenn es um Jungs und Mädchen geht. Aber was ist wirklich typisch Junge, typisch Mädchen? Rosa-Hellblau-Falle – trifft das? Wie ist das mit diesem Genderdings? Oder sind alles einfach nur Kinder? Ich stelle in meiner Reihe UNTypisch Jungs- und Mädchenmamas vor, die von den Eigenarten ihrer Kinder berichten. Und ich hoffe dass ich damit zeigen kann: jedes Kind ist anders und Klischees treffen manchmal, aber eben nicht immer zu.

oekohippieDrei Dinge, die dich bei deinem Sohn in den Wahnsinn treiben / aufregen / nerven?

  • Wenn er keine Lust auf Diskussionen hat, dann schickt er mich mit einem unfreundlichen „Hau ab!“ weg – das macht mich raaaaaaaseeeeend.
  • Er sagt zwölftausend Mal am Tag „Mama“ – danach aber nichts mehr
  • Er hört gerne Musik, leider nur immer ein Lied tausend Mal hintereinander.

Nagellack, Backen, Kochen und Kuscheltiere – eher Yeah oder Neee?

Total yeah, alles! Seine Fußnägel sind aktuell eigentlich immer in mindestens drei Farben lackiert, die er sich natürlich aus meinen Nagellacken selbst aussucht. Wir backen und kochen eigentlich immer zusammen und auch schon von Anfang an. Als Baby war er im Tuch, später dann im Lernturm – bis heute! Nur heute muss er sich den mit seinem Bruder teilen 😉

Rosa, Pink, und Lila und Glitzer? Gibt’s oder gab es diese Farben bei euch?

Ja, gibt es, allerdings ist das tatsächlich sehr typisch: seine Lieblingsfarbe ist blau. Pink und Rosa trägt er wenn dann mal auf den Fußnägeln. Und manchmal in den Haaren, wenn die zu lang werden: er hat nämlich panische Angst vorm Frisör, ich schneide ihm die Haare selbst. Will er sie aber mal einen Monat länger lassen, nutzt er Haarspangen. Die auf dem Foto hat er sich selbst ausgesucht.

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Spiderman, Ninjago und Star Wars – welche Helden werden bei euch verehrt?

Aktuell Bobo Siebenschläfer, Caillou und Winnie Puuh.  Und Batman, den kennt er aber eigentlich nur von uns und von seinen T-Shirts.

Heimliche Vorlieben für Fillys, Hello Kitty und Co?

Noch nicht, aber das schließe ich nicht aus. Er ist sehr empathisch und sanft und ich werde mich seinen Interessen nicht in den Weg stellen. Wenn er also eines Tages eine Vorliebe für pinke Pferde entwickelt, dann dürfen die natürlich im Kinderzimmer einziehen.

Als was verkleidet sich dein Sohn gerne?

Als Baumeister, klassisch, mit Helm und Werkzeuggürtel. Sieht lustig aus, wenn er barfuß läuft und seine bunten Nägel präsentiert 😉

Aktuelles Lieblingsspielzeug?

Der Dauerbrenner ist die Spielzeugküche. Dort experimentiert er eigentlich am liebsten herum.

So äußert sich die sanfte Seite deines Sohnes…

Bubba ist sehr empathisch. Wenn sich ein Kind beim Spielen auf dem Spielplatz wehtut, dann kann es passieren, dass er das Spiel unterbricht und minutenlang mit mir durchgehen will, was passiert ist, mich noch Tage später fragt, ob das Kind denn nun noch Schmerzen hat oder ob es wieder laufen kann. Gleiches gilt, wenn Kinder auf Spielplätzen geschimpft werden. Dann möchte er von mir genau wissen, was geschehen ist, wieso die Mama geschimpft hat und ob das Kind denn jetzt traurig sei. Er ist sehr hilfsbereit. In Spielsituationen nimmt er den anderen Kindern nicht einfach etwas weg, sondern kommt eher zu mir und fragt mich, ob ich ihm das Spielzeug besorgen könnte – was ich natürlich nicht tue 😉 Richtig schlimm ist für ihn, wenn ein Kind ihn anranzt und nicht mit ihm spielen will. Er weint dann wirklich bitterlich und will meistens direkt nach Hause. Zumindest aber spielt er dann nicht mehr ohne mich an seiner Seite weiter.

Ist dein Sohn nun typisch Junge?

Das ist schwer zu beantworten. Auf der einen Seite zieht er nur an, was er sich selbst ausgesucht hat, nie, was ich ihm raus lege. Er ist sehr eitel: mit seinen Haaren, seiner Kleidung… die darf nie nass sein – dreckig ist aber wieder okay! Er trägt unheimlich gern Cappies und Mützen und das schon immer. Aber eben auch nur selbst gewählte. Er spielt am liebsten Fußball, an seiner Werkbank oder fährt Laufrad. Andersrum spielt er aber genau so gern an der Küche, malt Bilder und spielt sein „Rapunzel“-Spiel am Tablet. Er liebt kochen und backen, er liebt basteln und spielt gern mit seinen Steiff-Tieren. Doch dann baut er auch wieder die Eisenbahn auf, will Bücher über Baustellen vorgelesen bekommen oder sogar eine besuchen. Große Baumaschinen faszinieren ihn und er schaut gern mit seinem Papa Fußball. Er hat sicher ein paar klischeebehaftete Vorlieben, ist dann aber auch wieder so weich und liebevoll, wie man es vielleicht – in Klischees gedacht – eher von einem Mädchen erwarten würde. Ich sehe das sehr ausgewogen. Und noch dazu würde ich ihm nie das Gefühl geben, irgendetwas „typisch“ zu sein. Er ist Bubba Ray und soll den Raum haben, sich so zu entwickeln, wie er eben möchte.

Vermisst du als Jungsmama eigentlich eine Tochter? Was wäre anders?

Nö und keine Ahnung. Mir fehlt jedenfalls nichts.

Vervollständige den Satz mit einer herausragenden Sache: Jungsmama sein ist super weil …

…ich einfach die besten Kinder habe. Ich liebe diese beiden wilden, verrückten Jungs – würd ich aber auch tun wenn sie Mädchen wären. Eines kann ich mir allerdings trotzdem vorstellen, nämlich, dass es später, in der Pubertät zum Beispiel, anders sein könnte. Man hat als Mutter ja nun irgendwie immer Angst um seine Kinder und ich kann mir vorstellen – ohne es natürlich genau zu wissen – dass es einfacher sein könnte, Jungs die Nächte durchmachen und allein nach Hause laufen zu lassen, als Mädchen. Kann aber auch wieder nur ein Klischee sein. Mich jedenfalls entspannt der Gedanke.

Ansonsten finde ich es einfach toll, Mama zu sein. Ich liebe meine Kinder. Wären sie wer anders und wollen sie eines Tages wer anders sein, dann wird das auch in Ordnung sein. Ich würde also sagen: Menschenmama sein ist einfach super.

Liebe Kathrin, vielen Dank für das Interview. Ich finde es toll, dass du Bubba Ray einfach Bubba Ray sein lässt. Ein kreativer einfühlsamer kleiner Kerl, der mich anhand seiner Vorlieben sehr an den jungen HerrnSjardinski erinnert. Aber der war bei weitem nicht so unglaublich hilfsbereit und empathisch.

 

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0 Kommentare

  1. Liebe Marsha,
    vielen Dank für das tolle Interview. Hat mir großen Spaß gemacht und mich selber auch mal wieder geerdet. Und daran erinnert, dass Kinder einfach Kinder sind und nicht irgendein Geschlecht.
    Tolle Fragen und eine tolle, wichtige Reihe. Danke <3

  2. Ein schönes Interview…einige Male musste ich beim Lesen schmunzeln. Als Mama von 3 kleinen Jungs, bin ich selbst immer wieder erstaunt, wie unterschiedlich sie in ihren Persönlichkeiten und Wesenszügen doch sind – manches Mal so ganz Jungs untypisch mit Puppen und dann wieder testosterongesteuert voll fussballbegeistert… 😀
    Liebe Grüße,
    Verena

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