Mitleid statt Streit – UNTypisch mit AllerleiThemen

Petra ist Anfang der 1980er geboren und seit 2011 Mutter eines liebenswerten Bengels. Seit der Trennung vom Papa schreibt sie auch einen eigenes Blog – Allerlei Themen – über, wie der Name sagt, alles.

Denn Petra möchte keine Themen ausschließen und schreibt auch gern über Leben mit Kindern, Katzen, Suchmaschinenoptimierung, Aquarell-Farben oder DIY-Projekte. Das Leben ist zu bunt und zu unterschiedlich, als dass sie nur eine Facette betrachten möchte!

Ich hoffe, ihr lest diesen Beitrag bis zum Ende. Obwohl ich sofort hier schrie, als las, dass es um #Jungsmama geht, so habe ich doch eine entschiedene Meinung zu “typisch Jungs”.

Petras Sohn ist 5 Jahre alt und Einzelkind. Er liebt Lego, Playmobil und greift auch mal nach dem Traktorbuch. Was Jungs eben so mögen. Doch jenseits des Kindergartens werden auch gerne die Das-ist-doch-nur-für-Mädchen Sachen bespielt. Und wenn E. nicht gerade furchtbar mit der Hauptfigur eines Filmes mitleidet oder von seinen Wehwehchen berichtet, streut er gerne eine große Portion Glitzer auf alles …

Blau und rosa. Bagger und Ponyhof. Rabauke und Zicke. Immer wieder liest man von Klischees, wenn es um Jungs und Mädchen geht. Aber was ist wirklich typisch Junge, typisch Mädchen? Rosa-Hellblau-Falle – trifft das? Wie ist das mit diesem Genderdings? Oder sind alles einfach nur Kinder? Ich stelle in meiner Reihe UNTypisch Jungs- und Mädchenmamas vor, die von den Eigenarten ihrer Kinder berichten. Und ich hoffe dass ich damit zeigen kann: jedes Kind ist anders und Klischees treffen manchmal, aber eben nicht immer zu.

Drei Dinge, die dich bei deinem Sohn in den Wahnsinn treiben / aufregen / nerven?

petraAufregen? Puh! Kommt auf die Tageszeit an. Morgens ohne Kaffee über die Passform von Hosen zu diskutieren ist für mich schon hart an der Grenze.

Ganz ehrlich finde ich ihn aber ab und an… darf man das sagen? weinerlich. Das ist aber nichts Schlimmes und auch erklärbar für mich. Er versucht oft, sehr stark zu sein und oft klappt es dann nicht. Meist kann ich das akzeptieren, aber es bietet konfliktpotential. Er verbringt viel Zeit damit mir von seinen Wehwehchen zu erzählen. Es fällt mir schwer, da den nötigen Respekt zu haben. Das liegt aber an mir!

Die richtigen Wutanfälle sind GOTT SEI DANK seit ca. 3 Monaten vorbei. Pünktlich zum 5ten Geburtstag. Wirklich, ich danke allen und jedem dafür. DAS hatte mich echt fertig gemacht. 

Nagellack, Backen, Kochen und Kuscheltiere – eher Yeah oder Neee?

Hach, ich bin da ja nicht so für, dass man das so streng trennt, das mit dem Geschlechter-Ding. Rosa-Blau-Falle regt mich meist auf. Ich meine, was soll das, dass es das eine nur für Jungs und das andere für Mädchen gibt? Es sind Kinder, herrje.

Und ja ich weiß, dass es geschlechtsspezifische Muster aus der Vergangenheit gibt. Mein Sohn, gerade mal 10 Monate, stand damals mit mir vor dem Bücherregal im Bücherladen und durfte sich etwas Neues aussuchen. Ich war so für Bauernhof-Bilder oder ähnliches. Er zog das Traktorbuch hervor. So etwas tun Kinder.

Da ich nun mal eine Frau bin und hier der Mann im Haus eher… nun ja, selten da ist (und selbst nicht der Mann unter den Männern wäre), herrschen hier oft weibliche Themen. Nagellack war eine Zeit IN, wurde aber im Kindergarten schnell zur Zielscheibe, daher eher nein. Backen, Kochen und Kuscheltiere sind aber hier immer YEAH!

Was aber auch, und das meine ich so, am Kindergarten liegt. Das wird bei beiden Geschlechtern gleichwertig gefördert. Doch was die Kinder sich sonst an den Kopf werfen, das kann ja niemand unterbinden.

Rosa, Pink, und Lila und Glitzer? Gibt’s oder gab es diese Farben bei euch?

Rosa und Lila waren hier lange Zeit der Hit. Aber wie schon gesagt, es driftete dann oft in “das ist doch für Mädchen” ab. Das sagen wohl Jungs in der Kita, denn heutzutage bekomme ich das morgens gesagt. Wobei Klamotten hier ein eigenes Thema sind. Darüber habe ich, wenn dieses Interview online geht, wohl schon mal selbst geschrieben 🙂 Es brennt mir nämlich unter den Nägeln.

Aber (es gibt ja immer ein aber) da Lausbub gern bastelt, wird hier dann eben viel mit diesen Farben gemalt. Glitzer muss es dann auch immer sein! Das finde ich großartig. Nicht, weil er sich über Gender-Dogmen hinweg setzt. Sondern weil ich finde, dass das Leben Glitzer bietet, da sollte man es überall drauf streuen <3 Glitzerpapier, Gold und alles was glänzt sind hier daher stets willkommen.

Spiderman, Ninjago und Star Wars – welche Helden werden bei euch verehrt?

Hier ganz klar Batman gepaart mit Star Wars und Piraten. Bisher habe ich nicht so ganz herausgefunden, woran es liegt oder welche Kriterien gelten. Aber sie müssen etwas Besonderes können und sie müssen die Guten sein, soviel ist klar.

Generell sind hier aber Feuerwehr, Polizei und Ärzte hoch im Kurs. Es geht ihm um Rettung, um Hilfe. Mir imponiert diese Sichtweise.

Heimliche Vorlieben für Fillys, Hello Kitty und Co?

Leider fällt das auch unter “das ist doch nur für Mädchen”. Denn eigentlich findet er das Glitzer und die Pferde und all das auch schon mal ganz cool. Bis vor ca. 6 Monaten hat er das auch noch offen gezeigt. Jetzt eher nur noch sehr verhalten.

Als was verkleidet sich dein Sohn gerne?

Meist als Polizist auf Verbrecherjagd und als Batman. Früher im Kindergarten – so ca. bis zum 4ten Geburtstag – zog er dort immer das Feenkostüm an, ein Grünes mit viel Tüll. Er war so traurig, als es nicht mehr passte…

Aktuelles Lieblingsspielzeug?

Lego und Playmobil in allen (wirklich allen) Varianten!

So äußert sich die sanfte Seite deines Sohnes…

Die sanfte Variante? Er ist unfassbar empathisch!

Oft weiß er, wie es mir geht, bevor ich es weiß. Das ist übrigens der Grund, warum wir 90% der Zeit getrennt schlafen. Wenn wir morgens beide in einem Bett wach werden, ist das zu viel für uns. Gucken, wie es dem anderen geht, sich selbst sortieren… Wenn er nicht gerade krank ist, endet das schon in Motzen ehe wir aufgestanden sind. Einschlafen hingegen klappt am besten, wenn ich daneben liege. Das ist die Zeit, in der er zur Ruhe kommt und mir Dinge erzählt und auch die intensivsten Fragen stellt. Aber über Twitter weiß ich, dass das für viele Kinder gilt.

Richtig schlimm wird es, wenn wir Filme / Serien gucken. Was wir aus selbigen Grund sehr sehr selten tun. Denn sobald klar wird, wer die Hauptfigur ist, leidet er mit und zwar IN.VOLLEN.ZÜGEN. Will sagen, er weint. Aus Angst aus Mitleid aus Freude oder aus Liebe. Die Beweggründe sind so bunt wie das Leben. Und es macht absolut keinen Unterschied, ob es gezeichnete oder echte Menschen sind. Ihn beeindrucken die Situationen bis ins Mark. Einfache Geschichten wie TroTro, Leo Lausemaus oder Conni gehen als Film. Puh Bär, Cars oder auch nur Pokémon gehen gar nicht.

Was aber funktioniert sind Hörbücher. Die gehen ohne Probleme. Sogar, haltet euch fest, Harry Potter. Ja, der gleiche Junge, der das eine nicht sehen kann, kann aber Gehörtes ausblenden und sich selbst vorstellen. Dann geht es ziemlich gut, auch spannende Episoden.

Generell kann er als Trennungskind, Streit und Ärger nur schwer ertragen. Wir mögen da als Eltern eine Mitschuld tragen, aber E. hat ein unglaublich gutes Gedächtnis. Schon als Einjähriger wusste er immer wo seine Sachen sind. Egal wie lange die letzte Spielrunde her sein mochte. Menschen prägt er sich ein und viele, die er nur einmal mit mir gesehen hat, erkennt er irgendwie wieder, oft auch den Zusammenhang. So eben auch für ihn prägende Situationen und Umgebungen. Streitende Freunde erträgt er daher bis heute kaum. Kita-Gerangel hängt ihm tagelang nach.

So ergeht es uns auch mit Waffen. Jeder Junge kommt sicherlich irgendwann in die Phase, wo Waffen ein absolutes MUSS sind. Nachdem ich 2 Mal erklärte, dass Waffen als Spielzeug und zur Verteidigung gegen böse Monster absolut ok sind, aber sie eben auch schaden können, sind Waffen hier ein ganz ganzg ganz kleines Thema geworden. Ab und an müssen sie mal sein, sie sind aber nicht faszinierend.

Ist dein Sohn nun typisch Junge?

Ich mag das “typisch Junge” nicht. Für mich gibt es nur ausgeprägte Charakterzüge. E. ist eben etwas sensibler als andere. Und vielleicht auch sensibler als manches Mädchen. Außerdem ist er ein unglaubliches Bewegungskind. Auch hier kenne ich Jungs, die weit aus fauler sind als Mädchen und richtige Mädels-Wildfänge kenne ich auch.

Klassisch ist dann aber wohl das Motoren-Ding. Alles was lauten Krach verursacht und mindestens ein Rad hat, ist mega cool. Und er ist mutig und experimentell. Alles muss ausprobiert werden, ob es gefährlich ist oder etwas kaputt gehen kann: Es wird an jedem Rad gedreht und an jedem Seil gezogen.

Vermisst du als Jungsmama eigentlich eine Tochter? Was wäre anders?

Mmmmh, ich weiß nicht. Ich glaube, ich bin eine Jungsmama. Ich kann Zickereien und belehrungen nur schwer ertragen. Rosa Mädchenzimmer sind nun wirklich nicht meins. Da liebe ich dann Rock-Sterne an den Wänden und Totenköpfe auf dem Shirt.

Vervollständige den Satz mit einer herausragenden Sache: Jungsmama sein ist super weil …

… mein Sohn so gut ist, wie er ist – mit all seiner sensiblen Art und seinem Mut und seiner Verrücktheit. Und weil jedes Kind auf seine Weise besonders, einzigartig und abseits der (nicht vorhandenen) Norm steht. Es gibt kein “normales” Kind. Nur Menschen <3

Liebe Petra, wenn das Leben es zu bunt mit einem meint, streu Glitzer drüber. Danke für diese Einstellung. Du hast einen wirklich tollen Sohn. Und diese „Das-sind-Mädchensachen“ Einstellung aus dem Kindergarten kenne ich nur zu gut. Furchtbar. Ansonsten finde ich es total süß, dass der kleine Kerl so wahnsinnig empathisch ist. Das kenne ich von meinem Mann, der gerne Mal – wenn es um Ehre und Aufopferung geht – ein Tränchen verrückt.

 

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