Das Schmollmonster mag keine Regeln

Der vierte Geburtstag steht vor der Tür. Etwas ganz besonderes – vor allem in Sachen Kindersport. Denn ab vier Jahren darf man hier in die Turnstunde ohne Eltern gehen. Und auch Fußball, Tanzen und Karate werden hier ab vier Jahren angeboten. Also haben HerrSjardinski und ich ausgemacht, dass wir uns sowohl Fußball als auch Karate anschauen wollen. Und so standen wir neulich im Mini-Dojo mit sage und schreibe einem anderen kleinen Karatekid im selben Alter. Der Karatetrainer fragte gleich, ob HerrSjardinski mitmachen wolle. Der zog sich dann prompt um. Läuft super, dachte ich. Doch da hatte ich die Rechnung ohne HerrnSjardinski gemacht. Denn nachdem der Trainer den Parcours erklärte (rennen, kriechen, balancieren und 10 Mal gegen einen Boxsack schlagen), verschränkte Dr. Schmoll die Arme und dampfte Richtung Umkleide ab. Wortlos zog sich HerrSchmollinski wieder um – nach 2 Minuten Training.

„Schatz, was ist den los?“
„Bin beleidigt.“
„Warum denn? Gefällt es dir nicht?“
„Bin beleidigt.“

Das mit dem Trotz kenne ich bereits bei HerrnSjardinksi, aber das Schmollmonster war mir neu. „Dann schau wenigstens nochmal zu.“ Was er dann auch während des Umziehens tat. Doch dann kam das andere Karatekid, stellte sich vor den feinen Herrn und ließ einen Kampfschrei los. Normalerweise ist HerrSjardinski nicht von der schüchternen Sorte. Ganz im Gegenteil ist er eher der Clown, der Faxen macht. Und immer eine Geschichte von irgendwas, was am Ende auf dem Dach landet – mit passender Showeinlage versteht sich – auf Lager hat. Heute nicht. Heute war ja aus HerrnSjardinski ein Dr. Schmoll geworden. Und Dr. Schmoll zog eine Flunsch und lief in den Parcours. Wo er alle  Kegel umschmiss und vom Trainer am Arm wieder rausbugsiert wurde. So kenne ich mein Kind gar nicht. Soll ich jetzt schimpfen? Mir war das alles furchtbar peinlich.

„Er ist eben noch sehr klein“, sagte der Trainer mir entgegenkommend. „Ja aber er ist doch fast vier“, babbelte es aus mir heraus. Und dann viel mir ein – er ist FAST vier. Und VIER ist eben noch sehr klein. Auch wenn er mir im Vergleich zu MisterWin so groß vorkommt. Und mit seinem immensen Wortschatz und seiner liebevollen Fürsorge in Bezug auf seinen kleinen Bruder manchmal auch viel älter WIRKT. Das heißt aber nicht, dass er das IST.

„Hier geht es erstmal gar nicht um Karate, sondern darum, Regeln einzuhalten. Zum Beispiel zu warten, bis jedes Kind den Parcours gemacht hat. Kommen Sie doch einfach nächste Woche wieder.“ Netter Trainer – und so optimistisch. Aber ob das klappt? Vielleicht sollten wir erst in einem halben Jahr wiederkommen? Denn mit den Regeln ist das auch im Mutter-Kind-Turnen noch nicht so der Knaller. Da wird während der gemeinsamen Spiele oft noch aus der Reihe getanzt. Wenn der feine Herr überhaupt mitmacht. Und nicht lieber alleine noch dreimal die Matte hochklettert oder die Hüpfpferde in der Mattenhöhle versorgt. Ohne Regeln wird aus dem feinen Herrn jedenfalls kein Karatekid. Oder sonstwas. Im Auto fragte ich HerrnSjardinski dann nochmal:

„Schatz, ich fand das eben richtig doof von dir. Warum bist du denn beleidigt? Mochtest du den Mann nicht?“
„Doch, der war nett.“
„Und warum hast du dich dann so blöd verhalten.“
„Weil ich das nicht machen wollte.“
„Mmmh, ach so. Sag doch das nächste Mal einfach, dass du lieber zuschauen willst. Und schmeiß dann nicht gleich alles um. Das ist doof.“
„Ja Mama, kay.“
„Weißt du, bei allen Sportarten gibt es einen Trainer, der sagt, was die Kinder machen sollen. Und wenn man das nicht mag, dann kann man den Sport nicht machen. Auch im Fußball ist das so. Und im großen Turnen. Sonst kannst du eben keinen SPort machen.“
„Mama, das nächste Mal mach ich mit, kay?“  Und hört sich mit seinem „kay“ an wie der Lehrer von Southpark. Das Ende jeden Satzes. Macht mich wahnsinnig. Im diesen Moment aber versöhnlich.

Nächste Woche wollen wir uns Fußball anschauen. Vielleicht klappt das besser. Denn HerrSjardinski kennt ganz viele der anderen Kinder aus dem Kindergarten. Und vielleicht macht er dann auch mit. Wenigstens ein nur zeitweises Schmollen wäre ok. Denn sind das nicht alle Fußballer irgendwie – Schmoller? In machen Situationen schimmert da der beleidigte Vierjährige doch durch, oder? Abseits – Bin beleidigt. Foul – Bin beleidigt. Rote Karte – Bin beleidigt. Ich sehe HerrnSjardinski jedenfalls schon schmollend auf der Bank sitzen.

 Wie geht ihr damit um, wenn euer Kind zum Schmollmonster wird?

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