Heute mal bildschirmfrei - Argemente für und gegen TV, Tablet & Smartphone #kinder #medien #medienkompetenz #erziehung #handy

Ich muss gestehen – wir sind eine Medienfamilie. Die Kinder (3 und 7) dürfen hier auch mal eine Serie oder einen Film schauen, am Pad spielen oder mit dem Papa Fifa an der Playstation zocken. An manchen Tagen mehr, an anderen weniger. Je nachdem, was sonst so auf dem Programm steht. Manchmal bleiben die Bildschirme ganz aus, und dann gibt es wieder Tage, da bin ich mit der vollen Palette auch fein. Beispielsweise wenn es draußen schüttet wie aus kübeln und wir (vor allem ich) kränkeln.

Wir haben relativ wenige Regeln im Umgang mit Medien. Hier wird nicht die Uhr gestellt und es gibt auch keine festen Bildschirm-Zeiten. Trotzdem halte ich von Smartphones für Grundschulkinder nicht viel, genauso wenig vom kollektiven Zocken mit Freunden in diesem Alter. Daher war ich sehr neugierig auf ein paar Tipps im Umgang mit digitalen Medien – sozusagen um für alles gewappnet zu sein. WhatsApp-Gruppen, Soziale Medien und Zock-Verabredungen – was kommt da in den nächsten Jahren auf uns zu? Wir haben zwei Jungs und ich sehe die beiden schon bis tief in die Nacht daddeln  – wahhh. Ob Heute mal bildschirmfrei von Paula Bleckmann und Ingo Leipner mir in dieser Hinsicht etwas weiterhelfen kann?

Es wäre illusorisch für Eltern zu glauben, Kinder vollständig vor Medienkonsum bewahren zu können. Doch es gibt viele Möglichkeiten, kritische Situationen zu bewältigen. – Seite 12

Darum geht´s in Heute mal bildschirmfrei

 

Eine „All-In-One-Lösung“ für die Probleme des digitalen Konsums gibt es nicht, so Paula Bleckmann und Ingo Leipner. Sie haben aber viele ermutigende Beispiele gesammelt, wie Familien erfolgreich gegen den digitalen Strom schwimmen, und schildern Alltagssituationen, die immer wieder zeigen: Die digitale Kindheit – von der Geburt bis zur Pubertät – ist nicht alternativlos! Im Gegenteil: Verantwortungsvolle Eltern schaffen bildschirmfreie Zonen für ihre Kinder – und gestalten so ein Familienleben mit weniger Konflikten. Und wie machen sie das eigenen Kindern verständlich? Den Nachbarn? Den Lehrern? Die Autoren zeigen, wie das gelingt – nicht sauertöpfisch-belehrend, sondern fröhlich, pragmatisch, oft mit einem Augenzwinkern.

Das sagt Mutter – Weiterlesen lohnt sich

Ehrlich gesagt hätte ich das Buch nach den ersten zwei Kapiteln fast weg gelegt. Ich hatte Puls. Denn gerade zu Beginn wird recht schnell klar: Heute mal bildschirmfrei ist eher für Eltern geschrieben, die sich bereits entschieden haben, ein relativ knappes Maß an digitalem Konsum zu fahren. Und hier nur auf Bestätigung hoffen. Da werden die TV-konsumierenden Kindern als überaus unkonzentriert, nörgelig und nervig dargestellt. Aber Klein-Jakob, der mit drölfzig Jahren noch nie fern gesehen hat, der kann sich einfach super alleine beschäftigen. Weil´s klar ist, das Kinder ohne TV das können.

Danach nervt Maras Tochter ihre Mutter mit dem Wunsch, ein Hörspiel zu hören: „Mir ist langweilig!“ Jakob aber sitzt noch vergnügt im Sandkasten, um einen Sandkuchen nach dem anderen zu backen, Maras Tochter nörgelt weiter. – Seite 48

Ehrlich gesagt finde ich diese Art nicht besonders wissenschaftlich und pädagogisch, sondern recht übergriffig. Den Eltern gegenüber, die keine TV-freie Kindheit fahren, und vor allem den Kindern, die pauschal über einen Kamm geschoren werden. Zudem spiegeln diese Beobachtungen meine Erfahrungen in Bezug auf frühen Fernsehkonsum (also vor 6 Jahren) nicht wieder. In keiner Hinsicht, vor allem nicht sprachlich. HerrSjardinski hat sehr wenige und ausgewählte Sachen geschaut und war sprachlich mit 2 Jahren so weit wie manch Vierjähriger. Ich will jetzt nicht sagen, dass Fernsehen besonders erstrebenswert ist oder sich positiv auf irgendwas auswirkt! Aber nicht alle TV-Kinder sind nervige Zombies und nicht alle Jakobs haben einen Heiligenschein. Ihr wisst was ich meine.

Weniger Bildschirm – mehr Vertrauen

 

Nachdem mir also in den ersten Kapiteln etwas die Lust am Lesen vergangen war, habe ich dem Werk noch eine Chance gegeben. Denn ganz ehrlich – wissenschaftliche Studienergebnisse hin oder her – sehe ich da doch einiges in Sachen TV etwas entspannter. Wir leben nun mal in der Welt, in der wir leben. Und einen 3-jährigen kann ich nun auch nicht wegbeamen, wenn das Schulkind Nachmittags eine Runde Pokémon schauen mag. Und nein, abends ist keine Option, beide gehen zeitgleich ins Bett. Also konzentrierte ich mich auf die für uns spannenderen Kapitel zu den Themen Computerspielen und Smartphone. Und war hier mit den Autoren auch etwas mehr auf Wellenlänge.

Vielleicht weil ich als ehemalige Online-Gamerin weiß, wie sehr der Druck in der Zocker-Gruppe für schlaflose Nächte sorgen kann. Weil ich damals an manchen Tagen dachte „geile Grafik“, obwohl ich mich in der realen Welt bewegte. Oder weil ich einfach auch keine Helikopter-Mom sein mag, die ihr Kind auf Schritt und Tritt via Handy erreichen muss.

Viele Eltern trauen ihrem Kind zu, den Schluweg zu Fuß, mit dem Fahrrad, Bus oder Bahn alleine zurückzulegen – und verzichten auf das Eltern-Taxi. Dabei wird nur wenigen bewusst sein, dass sie durch dieses Vertrauen auch gegen digitale Süchte vorbeugen. Eine unerfüllte Sehnsucht nach Autonomie steckt hinter mancher Computerspielsucht. Helikoptereltern erhöhen ungewollt das Risiko für Mediensucht. – Seite 178

Heute mal bildschirmfrei

Hilfreiche Diskussionsbeispiele und Argumente

 

Besonders spannend empfand ich die Lösungsvorschläge am Ende der Kapitel. Zum Beispiel wenn die Eltern der Grundschulkinder gegen den Wunsch des Direktors, Tablets anzuschaffen, argumentieren. Oder wenn die Eltern darüber diskutieren, eine handyfreie Klassenfahrt zu gestalten. Oder wenn sie kollektiv beschließen, nachts die Smartphones aus den Kinderzimmern verbannen.

Kinder und Jugendliche sind noch nicht in der Lage, ihren Elektroinikkonsum selbst zu regulieren. – Seite 232

Dabei sind die Diskussionen mit Argumenten sehr diplomatisch untermauert und sicherlich eine gute Grundlage, um selbst bei dem ein oder anderen Elternabend für mehr bildschirmfreie Zeit zu plädieren. Allerdings weiß ich nicht, ob diese Beispiele in der Realität funktionieren würden. Denn meine Erfahrungen nach wird auf einem Elternabend zwar viel Kritik abgelassen und auch mal diskutiert – die Einigung und Umsetzung ist dann aber noch eine ganz andere Nummer.

Denn es gibt immer die Eltern, die keine Zeit für einen Elternabend haben und noch weniger Zeit, sich dann auch noch zu engagieren. Dann gibt es die Eltern, die kritisieren, aber bloß nichts machen möchten. Und dann noch solche mit den sprachlichen Barrieren. Und am Ende gibt es vielleicht auch noch die, die sich nie blicken lassen und auch nicht auf Mails reagieren. Wir leben übrigens in einer Vorortidylle und ich kann mir gut vorstellen, wie realitätsfern die Diskussionsbeispiele in manch anderen Elternabendgruppen sein können.

Trotz meiner Kritik habe ich aber auch vieles aus Heute mal bildschirmfrei mitgenommen. Mehr bildschirmfreie Momente im Alltag zu schaffen ist mein Ziel. Dazu kein Smartphone in der Grundschule und das Pad mit den Spielen, das werde ich mir auch nochmal vornehmen und einiges runterschmeißen. Aber wenn die Jungs mal drei Folgen einer Kinder-Serie schauen oder eine Runde Fifa zocken, ist das für mich ok. Vor allem, wenn sie den ganzen Tag draußen waren, Fußball gespielt oder Sammelkarten getauscht haben.

#medienmomente

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Heute mal bildschirmfrei – Das Alternativprogramm für ein entspanntes Familienleben

♥ Autor: Paula Bleckmann & Ingo Leipner
♥ Verlag: Knaur Verlag
♥ ISBN: 978-3-426-78925-4
♥ Seiten: 320
♥ Preis: 12,99 €

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