
Erst verschwindet ihr Bruder, dann taucht die geheimnisvolle Sol auf und verdreht ihr ganz schön den Kopf. Auf einmal stellt die 16-Jährige Tonia alles infrage: Rudis Verhalten vor seinem Verschwinden, die geistige Abwesenheit ihrer Mutter, ihre eigenen Gefühle, aber vor allem das System der Überwachung, in dem sie lebt. Als sie ohne Sensor und Handy in den Wald flieht, findet sie dort nicht nur unverhoffte Verbündetet, sondern auch Antworten, wie alles miteinander zusammenhängt. „Bis der Regen Feuer fängt“ von Stefanie Höfler ist ein aufwühlender Roman um ein Mädchen, das vor Neugierde brennt und endlich weiß, wofür es sich zu kämpfen lohnt.
Darum geht´s in Bis der Regen Feuer fängt
Tonia lebt in einer komplett überwachten Welt. Als ihr Bruder plötzlich versschwindet, die geheimnisvolle Sol in ihrem Leben auftaucht und merkwürdiger Regen einsetzt, merkt sie, dass alles auf bedrohliche Weise miteinander verwoben ist. Sie schaltet ihren Sensor ab, klinkt sich aus und flieht in den Wald. Doch dort ist sie nicht allein. Was als kleine Flucht begann, wird für Tonia zu einer atemberaubenden Suche nach dem Geheimnis der »Regenkinder«, bei dem sie auf eine unerhörte Wahrheit stößt.

Leben in einem Überwachungsstaat und ein Regen, der die Wahrheit an die Oberfläche spült
Tonias Erzählung hat mich von der ersten Seite an sofort gepackt. Vor allem die Rückblicke auf die Zeit vor Rudis Verschwinden – durchzogen von feinen Einblicken in ihre Familie und in Tonias Innenleben – schaffen eine emotionale Dichte, die einen nicht mehr loslässt. Ihre Unsicherheit, das Sich-hinter-einem-Vorhang-aus-Haaren-Verstecken, das Falschsein, die Angst vor Zurückweisung: Das sind Gefühle, mit denen man sich als Jugendliche sofort identifizieren kann. Umso mehr freut man sich über die rebellische Tonia, die, die irgendwann ihre Haare abschneidet, Handy, Zuhause und System hinter sich lässt, sich aus einem Hütten-Gefängnis rauskämpft, für sich und die Wahrheit einsteht und akzeptiert, dass sie „nonkonform“ ist, weil sie auf Mädchen steht. Höfler fängt diese innere Entwicklung stilistisch wunderbar ein: Die vielen Hypotaxen, langen schweifenden Sätze, die manchmal eine halbe Seite einnehmen, spiegeln Tonias Gedankenstrom unmittelbar wider.
Eine „nonkonforme“ erste Liebe
„Nonkonform“ sind in Tonias dystopischer Welt alle, die sich dem System nicht anpassen wollen oder können. Ein System, das jedem Menschen aus vermeintlich ökologischen Gründen eine bestimmte Ernährung und Lebensweise vorschreibt. Das schließt zum Beispiel ein, dass es nur sogenannte Norm-Familien gibt oder dass Vitalwerte, Bewegungen und Handlungen lückenlos vom Staat überwacht werden. Homosexuelle Menschen, Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Alleinerziehende haben in dieser Welt keinen Platz. Im besten Fall erhalten sie keine Unterstützung, keine Wohnungen, keine Ausbildung, keine Arbeitsplätze. Was auf den ersten Blick wie ein zukunftsorientiertes Schutzkonzept wirkt – Schutzgebiete für Flora und Fauna und das resourcenschonenende Verhalten der Menschen – entpuppt sich als etwas zutiefst Beunruhigendes, sobald man genauer hinschaut.
Zusammen mit Tonia nehmen wir die Spur auf, um das Verschwinden ihres Bruders Rudi aufzuklären – und geraten dabei an eine Wahrheit, die zeigt, wie diesem System Werte und Menschlichkeit zum Opfer fallen. „Bis der Regen Feuer fängt“ ist eine Dystopie, die tief unter die Haut geht. Nicht weil sie so weit weg wirkt, sondern weil sie auch irgendwie so nah dran ist.

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- Autorin: Stefanie Höfler
- Seiten: 320
- Verlag: Beltz & Gelberg
- ISBN-13: 978-3407790415
- Altersempfehlung: ab 14 Jahren
- Preis: 18,- €
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